Automatisches Abbildungsverzeichnis in Word
Vom korrekten Beschriften bis zum fertigen Verzeichnis — mit Seitenzahlen, die stimmen
2026-04-23 · Lesezeit: ca. 8 Minuten
Abstract
Ein Abbildungsverzeichnis gehört in jede wissenschaftliche Arbeit mit mehr als zwei Abbildungen. Word erzeugt es automatisch — vorausgesetzt, alle Abbildungen sind über die Funktion »Beschriftung einfügen« nummeriert. Diese Anleitung zeigt den Weg von der ersten Bildunterschrift bis zum fertigen Verzeichnis, erklärt, warum die Nummerierung auch beim Umsortieren stimmt, und benennt die häufigsten Fehlerquellen.
Was ein Abbildungsverzeichnis leistet
Das Abbildungsverzeichnis steht in wissenschaftlichen Arbeiten typischerweise direkt nach dem Inhaltsverzeichnis und vor dem Tabellenverzeichnis. Es listet alle Abbildungen des Dokuments — Grafiken, Diagramme, Fotos, Schemata — mit Nummer, Beschriftung und Seitenzahl. Gefordert ist es formal meist ab der zweiten oder dritten Abbildung, pragmatisch ab etwa fünf.
Der Mechanismus, der alles trägt, ist ein einziger: die Word-Feldfunktion SEQ Abbildung. Jede Abbildung, die über »Beschriftung einfügen« eine Bildunterschrift erhält, bekommt automatisch eine fortlaufende Nummer in diesem Feld. Das Abbildungsverzeichnis sammelt am Ende alle diese Felder und sortiert sie nach Position im Dokument. Umsortieren der Abbildungen ändert die Nummern automatisch — aber nur nach einer Feld-Aktualisierung.
Voraussetzungen
Die Anleitung bezieht sich auf Word 2016, 2019, 2021 und Microsoft 365. In allen Versionen liegt die Funktion »Beschriftung einfügen« im Kontextmenü (Rechtsklick auf die Abbildung) oder unter »Verweise → Beschriftung einfügen«. Das Abbildungsverzeichnis selbst erreichen Sie über »Verweise → Abbildungsverzeichnis einfügen«.
Entscheidend ist, dass alle Abbildungen einheitlich über diese Funktion beschriftet werden. Gemischte Dokumente — einige Abbildungen mit automatischer, andere mit manuell eingetippter Bildunterschrift — führen zu unvollständigen Verzeichnissen. Bei einer großen Überarbeitung lohnt es sich, bestehende manuelle Bildunterschriften am Stück umzustellen, bevor man das Verzeichnis einfügt.
Schritt 1: Beschriftung zur Abbildung hinzufügen
Fügen Sie die Abbildung wie gewohnt ein — per »Einfügen → Bilder« oder per Copy-Paste aus einer Grafik-Software. Klicken Sie die Abbildung an, damit sie markiert ist. Dann Rechtsklick und im Kontextmenü auf »Beschriftung einfügen«. Alternativ über das Menü: »Verweise → Beschriftung einfügen«.
Es öffnet sich der Dialog »Beschriftung«. Oben steht das Textfeld, unten das Dropdown »Bezeichnung«. Im Textfeld sehen Sie bereits »Abbildung 1« (oder »Abbildung 2«, je nachdem, wie viele Abbildungen schon beschriftet wurden). Hinter diese Nummer setzen Sie die eigentliche Bildunterschrift: »Abbildung 1: Marktanteile in Deutschland, 2023«.
Das Dropdown »Bezeichnung« ist der Schlüssel zur späteren Zuordnung ins richtige Verzeichnis. Wählen Sie hier »Abbildung« — nicht »Formel«, »Tabelle« oder eine eigene Bezeichnung, es sei denn, Sie wollen bewusst mehrere Verzeichnisse (etwa für Karten und Abbildungen getrennt). Zusätzliche Bezeichnungen legen Sie über »Neue Bezeichnung …« an. Position »Unter ausgewähltem Element« ist in Deutschland Standard — Bildunterschrift unter der Abbildung.
Nach Bestätigung setzt Word die Beschriftung als Feld in das Dokument. Sichtbar ist der Text; im Hintergrund arbeitet das Feld SEQ Abbildung, das die laufende Nummer berechnet.
Schritt 2: Abbildungsverzeichnis einfügen
Setzen Sie den Cursor an die Stelle, an der das Verzeichnis stehen soll. Menü »Verweise« → in der Gruppe »Beschriftungen« auf »Abbildungsverzeichnis einfügen«. Der gleichnamige Dialog öffnet sich.
Wichtig ist das Dropdown »Bezeichnung« — es muss auf »Abbildung« stehen. Wer versehentlich »Tabelle« wählt, bekommt ein leeres oder falsches Verzeichnis. Die weiteren Optionen entsprechen denen im Inhaltsverzeichnis: Füllzeichen (meist Punkte), Seitenzahlen rechtsbündig, Format der gesamten Liste. Nach »OK« fügt Word das Verzeichnis ein.
Schritt 3: Aktualisieren nach Änderungen
Das Abbildungsverzeichnis ist, wie das Inhaltsverzeichnis, ein Feld. Nach jedem Eingriff — neue Abbildung, geänderte Bildunterschrift, verschobene Abbildung — muss es aktualisiert werden. Rechtsklick ins Verzeichnis → »Felder aktualisieren«, oder Cursor ins Verzeichnis und F9 drücken. Word fragt, ob nur Seitenzahlen oder das gesamte Verzeichnis aktualisiert werden sollen; nach Textänderungen fällt die Wahl auf »Gesamtes Verzeichnis«.
Die universelle Variante — alle Felder im gesamten Dokument gleichzeitig aktualisieren — erreicht man über Strg + A (alles markieren), gefolgt von F9. Das aktualisiert Inhaltsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis, Tabellenverzeichnis, Literaturverzeichnis und alle Querverweise auf einmal. Vor jeder Abgabe empfohlen.
Häufige Probleme und wie Sie sie lösen
Eine Abbildung fehlt im Verzeichnis. Die Bildunterschrift wurde manuell eingetippt statt über »Beschriftung einfügen«. Bildunterschrift löschen, Rechtsklick auf die Abbildung → »Beschriftung einfügen«, Text neu setzen, Verzeichnis aktualisieren.
Die Nummerierung fängt bei 2 an. Die erste Beschriftung im Dokument wurde später gelöscht, oder es existiert ein unsichtbares Feld in einer Tabelle oder Fußnote. Mit eingeblendeten Steuerzeichen (Strg + Umschalt + 8) alle Beschriftungen sichtbar machen und auf Konsistenz prüfen.
Nach dem Umsortieren stimmt die Nummerierung nicht. Kein Fehler — Word aktualisiert Nummern erst nach einem Aufruf. Strg + A → F9 ordnet alle Abbildungen neu.
Im Verzeichnis erscheint auch der Inhalt von Tabellen-Beschriftungen. Die Dropdown-Bezeichnung der Tabelle wurde versehentlich auf »Abbildung« gesetzt. Jede einzelne Tabellen-Beschriftung anpassen (Rechtsklick auf die Tabelle → Beschriftung bearbeiten), oder das Verzeichnis auf die Bezeichnung »Tabelle« umstellen und ein separates Tabellenverzeichnis anlegen (siehe Tabellenverzeichnis in Word erstellen).
Querverweise auf Abbildungen
Ein Nebeneffekt der korrekten Beschriftung: Im Fließtext lassen sich Verweise wie »siehe Abbildung 3« automatisch setzen. Cursor an die Stelle des Verweises, »Verweise → Querverweis« öffnen. Im Dialog Verweistyp auf »Abbildung« setzen, dann die gewünschte Abbildung aus der Liste auswählen. Word fügt einen Link ein, der bei einer späteren Umsortierung automatisch auf die neue Nummer angepasst wird.
Das ist einer der Punkte, an dem sich der höhere Anfangsaufwand vor allem bei längeren Arbeiten auszahlt: In der Bachelorarbeit mit drei Abbildungen lässt sich »siehe Abbildung 2« zur Not auch von Hand pflegen. In der Masterarbeit mit 20 Abbildungen, die beim Korrekturlesen umgeordnet werden, wird jeder manuelle Verweis zur potenziellen Fehlerquelle.
Nummerierung pro Kapitel
In sehr langen Arbeiten — Dissertationen, Monographien — wird statt einer fortlaufenden Nummerierung über das gesamte Dokument oft kapitelweise gezählt: Abbildung 1.1, 1.2, 2.1, 2.2 usw. Die erste Ziffer ist die Kapitelnummer, die zweite die laufende Abbildungsnummer innerhalb des Kapitels.
Voraussetzung ist, dass die Kapitel über die Formatvorlage »Überschrift 1« ausgezeichnet und gleichzeitig über »Start → Liste mit mehreren Ebenen« mit einer nummerierten Gliederungs-Liste verknüpft sind. Im Beschriftungs-Dialog klicken Sie auf »Nummerierung …« — es öffnet sich der Unter-Dialog »Nummerierung der Beschriftung«. Dort die Checkbox »Kapitelnummer einschließen« setzen, als Kapitelanfangsformatvorlage »Überschrift 1« wählen, Trennzeichen »Punkt« oder »Bindestrich« festlegen.
Ab jetzt berechnet Word die Nummer aus der Kombination Kapitelnummer + laufende Nummer pro Kapitel. Auch das Abbildungsverzeichnis zeigt die neuen Nummern — nach der üblichen Feld-Aktualisierung.
Formatvorlage des Verzeichnisses anpassen
Das Abbildungsverzeichnis verwendet eine eigene Formatvorlage namens »Abbildungsverzeichnis« (früher »Verzeichnis der Abbildungen«). Änderungen an Schriftgröße, Einzug oder Zeilenabstand zentralisieren Sie über die Formatvorlagen: Rechtsklick auf einen Eintrag im Verzeichnis → »Formatvorlage ändern« öffnet den Editor. Änderungen dort betreffen alle Einträge gleichermaßen. Manuelle Anpassungen direkt im Verzeichnis werden dagegen beim nächsten Aktualisieren überschrieben — der Aufwand wäre verloren.
Die Bildunterschriften selbst laufen über die Formatvorlage »Beschriftung«. Wer eine besondere Schriftart oder Kursivsetzung wünscht, ändert die Formatvorlage, nicht die einzelnen Unterschriften. So bleiben alle Beschriftungen im Dokument in einem konsistenten Stil, und eine spätere Anpassung ist eine Einzeländerung statt ein Dutzend Einzelkorrekturen.
Abbildungen und Urheberrecht
Ein Hinweis, der nicht zum Word-Werkzeugkasten gehört, aber zum Abbildungsverzeichnis: Abbildungen aus externen Quellen sind urheberrechtlich geschützt und müssen als Zitat kenntlich gemacht werden. Die Quelle gehört in die Bildunterschrift selbst — nicht in das Verzeichnis. Beispiel: »Abbildung 4: Marktanteile in Deutschland, 2023. Eigene Darstellung in Anlehnung an Schulz (2024, S. 47).« Diese vollständige Unterschrift wird dann im Abbildungsverzeichnis unverändert wiedergegeben.
Eigene Darstellungen werden mit dem Zusatz »Eigene Darstellung« oder »Eigene Darstellung nach Daten von [Quelle]« markiert, je nachdem, ob die Grafik rein aus eigener Arbeit stammt oder auf fremdes Zahlenmaterial zurückgreift. Die Prüfungsordnungen der meisten Hochschulen verlangen diesen Nachweis ausdrücklich; fehlende Herkunftsangaben bei Abbildungen werden von Plagiatsprüfern sehr zuverlässig erkannt.
Alternative: LaTeX
In LaTeX entsteht das Abbildungsverzeichnis aus dem Befehl \listoffigures, der die Metadaten aller \caption{…}-Befehle einsammelt. Das funktioniert ähnlich wie in Word, aber ohne die typische Word-Schwachstelle, dass vergessene oder manuell eingetippte Unterschriften aus dem Verzeichnis verschwinden. Für Arbeiten mit vielen Grafiken und formelastigen Fachrichtungen (Mathematik, Physik, Ingenieurwesen) bleibt LaTeX die sauberere Wahl. Für den Rest der Welt reicht Word — solange die Beschriftungen konsistent über die Dialog-Funktion gesetzt sind.
Zusammenfassung
Das Abbildungsverzeichnis in Word ruht auf einer einzigen Disziplin: Jede Abbildung erhält ihre Unterschrift ausschließlich über »Beschriftung einfügen«, mit der Bezeichnung »Abbildung«. Der Rest — Nummerierung, Verzeichnis, Querverweise — ergibt sich automatisch. Vor der Abgabe alle Felder einmal mit Strg + A + F9 aktualisieren, dann steht das Verzeichnis.
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