Kapitel IX · § 9.7 · Schreibtechnik und Zitation · 13 Min Lesezeit

Zitation nach APA 7 — Leitfaden für Bachelor- und Masterarbeiten

Kurzbeleg, Literaturverzeichnis, Quellentypen und die Unterschiede zu APA 6

Julius Wittenberg

2026-04-24 · Lesezeit: ca. 13 Minuten


Abstract

APA 7 ist seit 2019 die maßgebliche Auflage des Publication Manual der American Psychological Association und damit der dominante Zitationsstil in Psychologie, Sozialwissenschaften, Erziehungswissenschaften und Gesundheitsforschung. Wer in diesen Fächern eine Bachelor- oder Masterarbeit schreibt, kommt an APA nicht vorbei. Dieser Leitfaden erklärt die Grundprinzipien — den Autor-Jahr-Kurzbeleg im Text, das Literaturverzeichnis am Ende — anhand konkreter Beispiele für die wichtigsten Quellentypen (Buch, Kapitel im Sammelband, Zeitschriftenartikel, Website, graue Literatur). Außerdem: die wichtigsten Neuerungen gegenüber APA 6, die Mehrautoren-Regelung, der Umgang mit Sekundärzitaten — und ein nüchterner Blick auf die Tools, die einem die Arbeit abnehmen können.

Schlüsselwörter: APA 7 · Zitation · Literaturverzeichnis · Autor-Jahr · DOI · Psychologie · Zotero · Citavi

APA 7: Bedeutung und Geltungsbereich

Die American Psychological Association (APA) gibt seit 1929 ein Publication Manual heraus, das den Standard für wissenschaftliches Publizieren in der Psychologie definiert. Die siebte Auflage erschien 2019 und löste die seit 2009 geltende sechste Auflage ab. In Deutschland ist APA 7 in Psychologie, in den Erziehungs- und Sozialwissenschaften, in Sport- und Gesundheitswissenschaften sowie in Teilen der Wirtschaftswissenschaften der dominante Stil — viele Lehrstühle verlangen APA 7 verbindlich.

Das Grundprinzip ist schnell beschrieben: Im Text steht ein Kurzbeleg mit Autorname, Jahr und gegebenenfalls Seitenzahl; am Ende der Arbeit steht ein Literaturverzeichnis, in dem alle zitierten Quellen alphabetisch nach Autorname aufgeführt sind. Diese Trennung von Kurzbeleg und Vollangabe macht APA besonders lesefreundlich — der Text bleibt schlank, die ausführliche Information findet sich konzentriert am Ende.

Der Kurzbeleg im Text

APA 7 unterscheidet zwei Grundformen des Kurzbelegs: den narrativen (in den Satz integriert) und den parenthetischen (in Klammern am Ende des Satzes).

Beim narrativen Beleg erscheint der Autor im Satzfluss, das Jahr in Klammern direkt dahinter:
»Müller (2023) zeigt, dass …«

Beim parenthetischen Beleg stehen Autor und Jahr gemeinsam in Klammern am Ende der zitierten Aussage:
»Diese Annahme ist empirisch gestützt (Müller, 2023).«

Wenn aus einer bestimmten Seite zitiert oder eng paraphrasiert wird, ergänzt APA 7 die Seitenzahl mit »p.« (englisch) bzw. »S.« (deutsch):
»Müller (2023, S. 47) argumentiert …« oder »(Müller, 2023, S. 47).«

Bei direkten Zitaten ist die Seitenzahl Pflicht; bei Paraphrasen empfiehlt APA 7 die Seitenangabe ausdrücklich, verlangt sie aber nicht zwingend. In der deutschen Hochschulpraxis sehen die meisten Lehrstühle die Seitenangabe auch bei Paraphrasen vor — im Zweifel der Vorgabe folgen.

Quellentypen im Literaturverzeichnis

APA 7 — Quellentypen und Format Tabelle mit fünf Quellentypen — Buch, Kapitel im Sammelband, Zeitschriftenartikel, Website, graue Literatur — und je einem konkreten APA-7-Eintrag im Literaturverzeichnis-Format. APA 7 — Quellentypen im Verzeichnis Buch Monografie Format: Nachname, V. (Jahr). Titel kursiv. Verlag. Müller, A. (2023). Strukturen der Bedeutung. Springer. Kein Verlagsort mehr (APA 7-Neuerung). Kapitel Sammelband Format: Nachname, V. (Jahr). Kapiteltitel. In V. Hg. (Hrsg.), Buchtitel kursiv (S. xx–yy). Verlag. Schmidt, B. (2022). Methodische Reflexion. In K. Becker (Hrsg.), Empirische Sozialforschung (S. 45–68). Beltz. Zeitschrift Artikel Format: Nachname, V. (Jahr). Artikeltitel. Zeitschrift kursiv, Band(Heft), Seitenangabe. DOI Klein, S., & Weber, M. (2024). Effekte digitaler Lehre. Zeitschrift für Pädagogik, 70(2), 215–234. https://doi.org/10.1234/zfpaed.2024.0145 Website Online-Quelle Format: Nachname, V. (Jahr, Tag. Monat). Titel kursiv. Webseite. URL Robert Koch-Institut. (2024, 12. März). Influenza-Wochenbericht. RKI. https://www.rki.de/... Graue Lit. Bericht etc. Format: Organisation. (Jahr). Titel kursiv (Berichts-Nr.). Verlag oder URL. OECD. (2023). Education at a Glance 2023. OECD Publishing.
Abbildung 1: Die wichtigsten Quellentypen mit konkreten Einträgen im APA-7-Format. Hängender Einzug ab der zweiten Zeile, alphabetische Sortierung im Verzeichnis.

Mehrautoren-Regeln

APA 7 hat die Regeln für Mehrautorenangaben deutlich vereinfacht. Drei Fälle sind zu unterscheiden.

Ein bis zwei Autoren: Beide Namen werden bei jedem Beleg vollständig genannt.
Im Text: »(Müller & Schmidt, 2023)« oder »Müller und Schmidt (2023)«.
Im Verzeichnis: »Müller, A., & Schmidt, B. (2023). …«

Drei oder mehr Autoren: Bei jedem Beleg im Text wird nur der erste Autor genannt, gefolgt von »et al.« — und zwar von Anfang an, nicht erst ab dem zweiten Beleg (das war eine Änderung gegenüber APA 6).
Im Text: »(Becker et al., 2022)« oder »Becker et al. (2022)«.
Im Verzeichnis: alle Autoren bis zu 20 ausschreiben (siehe nächster Absatz).

21 oder mehr Autoren: Im Verzeichnis werden die ersten 19 Autoren genannt, dann drei Auslassungspunkte, dann der letzte Autor:
»Müller, A., Schmidt, B., …, [19. Autor], [letzter Autor]. (2023). …«

Bei Erstautor-Identität (zwei verschiedene Belege beginnen mit demselben Erstautor und Jahr) werden Buchstaben angehängt: »Müller, A. (2023a)«, »Müller, A. (2023b)«.

Sekundärzitate und indirekte Belege

Ein Sekundärzitat liegt vor, wenn man einen Autor zitieren möchte, dessen Werk man selbst nicht im Original gelesen hat — sondern dessen Aussage durch eine andere Quelle vermittelt wurde. APA 7 ist hier streng: Sekundärzitate sind die Ausnahme, nicht die Regel. Wenn das Original zugänglich ist, muss es auch genutzt werden.

Wo ein Sekundärzitat unvermeidbar ist (etwa bei einer historischen Quelle, die nicht mehr verfügbar ist), wird es durch »wie zitiert in« markiert:
Im Text: »(Schmidt, 1965, wie zitiert in Müller, 2023)«.
Im Verzeichnis: nur die zugängliche Quelle, also Müller (2023).

Diese Praxis ist wichtig, weil sie für Leser transparent macht, dass die ursprüngliche Aussage nicht direkt geprüft wurde. Wer ein Sekundärzitat als direkten Beleg ausgibt, riskiert, eine Aussage zu verbreiten, die der vermittelnde Autor möglicherweise verkürzt oder verändert hat. Mehr zur sauberen Quellenarbeit im Beitrag zum Paraphrasieren.

Was sich von APA 6 auf APA 7 geändert hat

Wer ältere Lehrbücher oder studentische Vorlagen nutzt, sollte die wichtigsten Unterschiede zur sechsten Auflage kennen.

Verlagsort entfällt. APA 7 verzichtet im Buch- und Sammelbandeintrag auf die Angabe des Verlagsorts. »Beltz« reicht; »Weinheim: Beltz« ist überholt.

DOI als URL. Die DOI wird in APA 7 als vollständige URL angegeben (»https://doi.org/10.xxxx/yyyy«), nicht mehr als reine Kennung mit »doi:«-Präfix. Wenn die Quelle eine DOI hat, gehört sie zwingend in den Verzeichniseintrag.

»Et al.« ab drei Autoren — schon beim ersten Beleg. APA 6 hatte verlangt, beim ersten Beleg alle Namen zu nennen und erst ab dem zweiten Beleg »et al.« zu setzen. APA 7 vereinfacht: ab drei Autoren immer »et al.«, auch beim ersten Beleg.

Bis zu 20 Autoren im Verzeichnis. APA 6 hatte bei sieben oder mehr Autoren verkürzt; APA 7 zählt bis 20 Autoren auf, bevor verkürzt wird.

»They« als geschlechtsneutrales Singular-Pronomen. APA 7 erlaubt im englischsprachigen Originaltext »they« als Singular für Personen, deren Geschlecht unbekannt oder nicht binär ist. Diese Regelung ist für deutsche Arbeiten primär in Übersetzungen relevant.

Der Aufbau des Literaturverzeichnisses

Das Literaturverzeichnis steht am Ende der Arbeit, vor etwaigen Anhängen. Es trägt die Überschrift »Literaturverzeichnis« (oder »Literatur«; manche Lehrstühle bevorzugen »References«). Die Einträge sind alphabetisch nach Erstautor-Nachnamen sortiert. Bei mehreren Werken desselben Autors wird chronologisch sortiert (älteste zuerst); bei gleichem Jahr durch Buchstaben (»2023a«, »2023b«) unterschieden.

Jeder Eintrag wird mit einem hängenden Einzug formatiert: Die erste Zeile beginnt am linken Rand, jede weitere Zeile ist eingerückt. Diese Formatierung erleichtert das Auffinden des ersten Wortes — typischerweise des Autornamens — beim Überfliegen.

Drei häufige Detailregeln:

› Buch- und Zeitschriftentitel werden kursiv gesetzt; Aufsatztitel und Kapitelüberschriften nicht.

› Bei englischen Titeln wird im Aufsatztitel nur das erste Wort und Eigennamen großgeschrieben (Sentence Case); bei Zeitschriftentiteln werden Hauptwörter großgeschrieben (Title Case).

› Vor dem letzten Autorennamen steht im englischsprachigen Original »&«, nicht »and«. In deutschen Verzeichniseinträgen lehnen einige Hochschulen das »&« ab und ersetzen es durch »und«; im Zweifel der Hausvorgabe folgen.

Typische Fehler

Vier Fehler tauchen in studentischen Arbeiten besonders häufig auf.

Fehlende DOI. Wenn ein Aufsatz eine DOI hat, gehört sie zwingend in den Eintrag. Wer sie weglässt, weil er sie nicht gesucht hat, verstößt gegen APA 7. DOIs lassen sich auf den Verlagsseiten oder über Crossref.org schnell finden.

Inkonsistente Großschreibung. Englische und deutsche Titel folgen unterschiedlichen Großschreib-Regeln. Wer zwischen Sentence Case und Title Case wechselt, verrät Eile. Eine Literaturverwaltung (siehe nächster Abschnitt) übernimmt diese Konsistenz automatisch.

Verlagsort übersehen-zu-streichen. Wer Vorlagen aus APA-6-Zeiten kopiert, hat oft noch »Weinheim: Beltz« stehen — APA 7 verlangt nur »Beltz«. Beim Übernehmen alter Quellen den Verlagsort weglassen.

Englische und deutsche Trennzeichen vermischt. APA setzt im englischen Original Punkt nach der Initiale (»Müller, A.«) und Komma vor »&«. Im Deutschen wird der Punkt manchmal weggelassen, das »und« statt »&« verwendet. Eine konsistente Umsetzung im gesamten Verzeichnis ist Pflicht.

Tools: Zotero, Citavi, Mendeley

Eine Literaturverwaltung erspart den Großteil der manuellen Formatierungsarbeit. Drei Tools sind im deutschsprachigen Raum verbreitet.

Zotero ist kostenlos, quelloffen und in der akademischen Community weit verbreitet. Es bietet APA-7-Zitierstile, Browser-Plugins zur Quellenerfassung und eine ordentliche Office-Integration für Word, LibreOffice und Google Docs. Für Bachelor- und Masterarbeiten meist die erste Wahl.

Citavi ist in deutschen Hochschulen lizenziert und kombiniert Literaturverwaltung mit Wissensorganisation und Aufgabenplanung. Die APA-Unterstützung ist umfangreich; die Bedienung ist mächtiger, aber komplexer als bei Zotero. Citavi war lange auf Windows beschränkt; seit der Web-Version arbeitet das Tool auch in Browser-Umgebungen.

Mendeley kombiniert Literaturverwaltung mit PDF-Annotation und Online-Synchronisation. Die Akzeptanz im deutschsprachigen Raum ist geringer als bei Zotero und Citavi, im internationalen Kontext aber hoch. Seit der Übernahme durch Elsevier ist die Begeisterung in der Open-Science-Community zurückgegangen.

In allen drei Werkzeugen gilt: APA 7 ist als Zitierstil hinterlegt, kann aber je nach Hochschulvorgabe in Details angepasst werden. Wer die Hausvorgabe einarbeitet (etwa »und« statt »&«), spart später viel Zeit beim Korrekturlesen.

Praktische Empfehlung für die eigene Arbeit

Die wichtigsten Schritte in der Praxis: Vor Beginn der Schreibphase die Hausvorgabe des Lehrstuhls einsehen — manche Lehrstühle ergänzen oder modifizieren APA 7. Eine Literaturverwaltung einrichten und alle Quellen direkt beim Lesen erfassen, nicht erst beim Schreiben. Den Zitierstil in Word über die Plugins der Literaturverwaltung integrieren, sodass Kurzbeleg und Verzeichnis automatisch erzeugt werden.

Vor der Abgabe eine letzte Konsistenzprüfung: Stimmen Kurzbelege im Text mit den Verzeichniseinträgen überein? Sind alle DOIs gesetzt? Ist die alphabetische Sortierung korrekt? Diese Routine spart erfahrungsgemäß viele Stunden Korrekturarbeit, die sonst der Lektor übernehmen müsste.

Zusammenfassung

APA 7 ist ein konsistenter, gut dokumentierter Zitationsstil mit klarem Grundprinzip: Autor-Jahr-Kurzbeleg im Text, alphabetisch sortiertes Literaturverzeichnis am Ende. Die wichtigsten Quellentypen — Buch, Sammelband-Kapitel, Zeitschriftenartikel, Website, graue Literatur — folgen jeweils einem festen Format mit hängendem Einzug. Mehrautoren-Regeln sind in APA 7 vereinfacht: ab drei Autoren immer »et al.«, im Verzeichnis bis 20 Autoren ausschreiben. Wesentliche Neuerungen gegenüber APA 6 betreffen den entfallenen Verlagsort, die DOI als URL und die »et al.«-Regel ab dem ersten Beleg. Typische Fehler — fehlende DOI, inkonsistente Groß- und Kleinschreibung, übersehene Vorlagen-Reste — lassen sich mit einer Literaturverwaltung wie Zotero, Citavi oder Mendeley weitgehend vermeiden. Wer den Stil einmal beherrscht, schreibt seine Arbeit deutlich entspannter — und die Korrektur am Ende dauert Minuten statt Tage. Eine Übersicht zur verwandten Harvard-Zitierweise findet sich im nächsten Beitrag.

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