Literaturrecherche: Anleitung für wissenschaftliche Arbeiten
Systematisch recherchieren, relevante Quellen finden, den Überblick behalten
2026-03-20 · Lesezeit: ca. 3 Minuten
Abstract
Die Literaturrecherche ist das Fundament jeder wissenschaftlichen Arbeit – und der Schritt, an dem viele Studierende die meiste Zeit verlieren. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie systematisch und effizient vorgehen: von der Suchstrategie über die richtigen Datenbanken bis zur Bewertung und Verwaltung Ihrer Quellen.
Bevor Sie suchen: Suchstrategie entwickeln
Der häufigste Fehler bei der Literaturrecherche: sofort lossuchen, ohne Plan. Eine strukturierte Suchstrategie spart Ihnen Stunden. Drei Schritte vorab:
Schritt 1: Forschungsfrage als Anker. Ihre Forschungsfrage definiert, wonach Sie suchen. Zergliedern Sie sie in ihre Bestandteile. Beispiel: »Welchen Einfluss hat Remote Work auf die Mitarbeiterzufriedenheit in deutschen KMU?« → Kernbegriffe: Remote Work, Mitarbeiterzufriedenheit, KMU, Deutschland.
Schritt 2: Suchbegriffe ableiten. Für jeden Kernbegriff notieren Sie Synonyme, englische Entsprechungen und verwandte Begriffe. Remote Work → Homeoffice, Telearbeit, home office, telework, work from home. Mitarbeiterzufriedenheit → job satisfaction, Arbeitszufriedenheit, employee satisfaction.
Schritt 3: Boolesche Operatoren. Verknüpfen Sie Begriffe mit AND, OR und NOT. Beispiel: (»remote work« OR »home office« OR telearbeit) AND (»job satisfaction« OR mitarbeiterzufriedenheit).
Die wichtigsten Datenbanken
Fachübergreifend
Google Scholar (scholar.google.de): Der beste Einstieg. Breite Abdeckung, aber keine Qualitätsfilterung. Nutzen Sie die »Zitiert von«-Funktion, um Schlüsselwerke zu identifizieren. Tipp: Unter Einstellungen Ihren Bibliothekszugang hinterlegen – dann sehen Sie direkt, welche Volltexte Sie kostenlos abrufen können.
Web of Science / Scopus: Die beiden großen Zitationsdatenbanken. Höhere Qualitätsschwelle als Google Scholar. Ideal für systematische Reviews und um die einflussreichsten Arbeiten zu einem Thema zu finden.
Fachspezifisch
- BWL/VWL: EBSCO Business Source, SSRN, EconLit, WISO
- Psychologie: PsycINFO, PsycArticles, PubMed
- Jura: Beck-Online, Juris, Dejure
- Medizin/Gesundheit: PubMed, CINAHL, Cochrane Library
- Sozialwissenschaften: SSOAR, Sociological Abstracts, GESIS
- Pädagogik: FIS Bildung, ERIC, Pedocs
Schneeballsystem und Rückwärtssuche
Zwei Techniken, die jede Literaturrecherche ergänzen sollten:
Vorwärts-Schneeballsystem: Sie finden eine zentrale Quelle und schauen, wer diese Quelle zitiert hat (über Google Scholar »Zitiert von« oder Web of Science). So finden Sie neuere Arbeiten, die auf dem Fundament Ihrer Schlüsselquelle aufbauen.
Rückwärts-Schneeballsystem: Sie durchforsten das Literaturverzeichnis Ihrer Schlüsselquelle. So finden Sie die Grundlagenwerke, auf die sich Ihr Forschungsfeld stützt.
Die Kombination beider Verfahren führt in der Regel nach 3–4 Iterationen zu einer Sättigung – Sie stoßen immer wieder auf dieselben Autoren und Werke. Das ist ein gutes Zeichen: Sie haben den Kern des Forschungsfeldes erfasst.
Quellen bewerten und aussortieren
Nicht jede gefundene Quelle gehört in Ihre Arbeit. Prüfen Sie jede Quelle anhand dieser Kriterien:
- Relevanz: Beantwortet die Quelle einen Aspekt Ihrer Forschungsfrage?
- Aktualität: Bei empirischen Themen möglichst Quellen der letzten 5–10 Jahre. Bei Grundlagentheorie können auch ältere Werke zentral sein.
- Wissenschaftlichkeit: Peer-reviewed Journals > Fachbücher > Sammelbandbeiträge > graue Literatur > Wikipedia. Wikipedia ist als Quelle in wissenschaftlichen Arbeiten nicht zitierfähig.
- Qualität: Wurde die Studie in einem angesehenen Journal publiziert? Wie groß ist die Stichprobe? Ist die Methodik nachvollziehbar?
Literatur verwalten
Ab 20–30 Quellen verlieren Sie ohne System den Überblick. Nutzen Sie ein Literaturverwaltungsprogramm:
- Zotero (kostenlos, Open Source): Bester Einstieg. Browser-Plugin erfasst Quellen automatisch. Export in alle gängigen Zitierformate.
- Citavi (kostenlos über viele Hochschulen): Besonders stark in der Wissensorganisation. Ermöglicht direkte Verknüpfung von Zitaten mit Ihrer Gliederung.
- Mendeley: Gute PDF-Verwaltung, Social-Networking-Funktionen.
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Leistungen: Hausarbeit · Bachelorarbeit · Masterarbeit · Dissertation · Exposé · Seminararbeit · Facharbeit
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