Seitenränder, Zeilenabstand & Typografie für die Bachelorarbeit
Die typografische Grundlage einer wissenschaftlichen Arbeit — mit belegbaren Werten
2026-04-23 · Lesezeit: ca. 10 Minuten
Abstract
Seitenränder, Zeilenabstand und Schriftart einer Bachelorarbeit sind in vielen Prüfungsordnungen fest vorgegeben. Wo nicht, lohnt sich der Blick auf bewährte Standards. Dieser Artikel führt durch die Einstellung in Word, erklärt, warum der Bundsteg nicht vergessen werden sollte, und benennt die Werte, die sich für wissenschaftliche Arbeiten etabliert haben — inklusive typischer Fehler, die vor der Abgabe leicht zu beheben sind.
Die Prüfungsordnung zuerst
Die allermeisten deutschen Hochschulen machen Vorgaben zu Seitenrändern, Zeilenabstand und Schriftart. Manchmal stehen sie in der Prüfungsordnung, manchmal in einer Studienführer-Anlage, manchmal nur auf der Fachbereichs-Webseite. Der erste Schritt jeder Bachelorarbeit: Diese Vorgaben suchen und ausdrucken oder als Notiz speichern. Abweichungen von den Vorgaben kosten in der Bewertung — mal nur Formal-Punkte, mal eine halbe Note.
Wo keine Vorgaben existieren, gelten die Standard-Werte des wissenschaftlichen Schreibens, die sich über Jahrzehnte etabliert haben: 2,5 cm oben, 2,0 cm unten, 2,5 cm links, 2,0 cm rechts; 1,5-facher Zeilenabstand; Times New Roman oder Arial in 12 pt bzw. 11 pt; Blocksatz; automatische Silbentrennung. Diese Zahlen sind Richtwerte, keine Naturgesetze, aber sie funktionieren in 95 Prozent der Fälle ohne Rückfragen.
Seitenränder einstellen
Menü »Layout« → Button »Seitenränder« → Eintrag »Benutzerdefinierte Seitenränder …«. Der Dialog »Seite einrichten« öffnet sich mit der Registerkarte »Seitenränder« im Vordergrund. Vier Felder: Oben, Unten, Innen (bzw. Links), Außen (bzw. Rechts). Die Standard-Werte für wissenschaftliche Arbeiten: 2,5 cm oben, 2,0 cm unten, 2,5 cm links (Innen), 2,0 cm rechts (Außen).
Der linke Rand ist breiter als der rechte, weil die Bindung der gedruckten Arbeit links erfolgt und Text dort nicht zu nah an den Rand rutschen darf. Wer die Arbeit nur elektronisch einreicht, könnte theoretisch symmetrische Ränder wählen (2,0 cm links und rechts). In der Praxis bleibt es aber meistens beim klassischen Wert, weil viele Hochschulen den Druck trotzdem verlangen.
Bundsteg für die Bindung
Wenn die Arbeit gebunden wird, braucht der linke Rand zusätzlichen Platz — sonst verschwinden die inneren Zeichen in der Falz. Diesen Zusatzplatz legt man nicht durch breitere Seitenränder fest, sondern durch den Bundsteg: Im Dialog »Seite einrichten« das Feld »Bundsteg« auf 0,5 bis 1,0 cm setzen, Position »Links« wählen. Word addiert diesen Wert auf den linken Rand, reserviert ihn aber für die Bindung — der Text bleibt relativ zum Seitenrand gleich, die physische Seite wird nur breiter geschnitten.
Wer auf den Bundsteg verzichtet, riskiert, dass nach der Bindung die linken Zeichen der ersten Zeichen jeder Seite schwer lesbar sind. 0,5 cm reichen für eine Klebebindung (Standard für Bachelor- und Masterarbeiten), 1,0 cm für Ringbindung oder Leimbindung mit Buchrücken. Im Zweifelsfall die Bindungs-Dienstleister fragen, die nehmen solche Fragen gewohnt entgegen.
Zeilenabstand
Standard in deutschen Hochschulen: 1,5-facher Zeilenabstand. Einige Fächer erlauben einfachen Zeilenabstand mit engerer Schrift, andere verlangen explizit 1,5, ein paar wenige (besonders geistes- und kulturwissenschaftliche Institute mit langer Buchtradition) akzeptieren auch 1,0. Im Zweifelsfall: 1,5.
Einstellen: Absatz markieren (oder mit Strg + A das gesamte Dokument), Registerkarte »Start« → Gruppe »Absatz« → Button »Zeilenabstand« (Icon mit Pfeilen). Im Dropdown erscheint eine Liste: 1,0 / 1,15 / 1,5 / 2,0 / 2,5 / 3,0. Für weitere Werte »Zeilenabstandsoptionen …« wählen — dort lässt sich auch »Mehrfach 1,3« oder »Genau 18 pt« einstellen, beides Varianten, die in manchen Hochschul-Vorgaben auftauchen.
Zeilenabstand in Fußnoten: typischerweise einfach (1,0), weil Fußnoten ohnehin in kleinerer Schrift gesetzt sind und 1,5 dort zu viel Platz wirft. Die Einstellung erfolgt über die Formatvorlage »Fußnotentext« (siehe Formatvorlagen in Word), nicht im Fließtext selbst.
Schriftart und Schriftgröße
Die beiden Dauerbrenner sind Times New Roman (Serifen-Schrift) und Arial (serifenlos), jeweils in der klassischen Kopplung mit einer bestimmten Schriftgröße: Times New Roman in 12 pt, Arial in 11 pt. Der Grund für die unterschiedliche Größe ist visuell: Arial in 12 pt wirkt neben Times in 12 pt ungewöhnlich groß, weil serifenlose Schriften pro Punkt mehr Fläche einnehmen. 11 pt Arial liefert etwa dieselbe Textdichte wie 12 pt Times.
Alternativen, die an einzelnen Fachbereichen verbreitet sind: Georgia (serif, 11 pt), Cambria (serif, 11 pt), Calibri (serifenlos, 11 pt). In juristischen und historischen Fächern bleibt Times New Roman dominant; in Wirtschaft, Naturwissenschaft und Ingenieurwesen sind serifenlose Schriften häufiger. Am Ende entscheidet die Prüfungsordnung.
Blocksatz und Silbentrennung
Blocksatz — der gleichmäßige rechte Rand durch variable Wortabstände — ist in wissenschaftlichen Arbeiten Standard. Aktivieren über Strg + J oder über das Absatz-Ausrichtungs-Symbol in der Start-Registerkarte. Flattersatz (ungleichmäßiger rechter Rand, meist linksbündig) wirkt weniger formal und ist in den meisten Hochschulen nicht erwünscht.
Der Haken am Blocksatz: Ohne Silbentrennung entstehen oft Löcher im Satzbild, wenn ein langes Wort nicht in die Zeile passt. Die Lösung ist die automatische Silbentrennung: Menü »Layout« → »Silbentrennung« → »Automatisch«. Word trennt ab jetzt Wörter an der richtigen Stelle, hält damit die Wortabstände gleichmäßig und das Satzbild ruhig.
Die automatische Silbentrennung folgt den Regeln der deutschen Rechtschreibung und wirkt unauffällig. Gelegentlich (etwa bei Eigennamen oder zusammengesetzten Fachbegriffen) trennt sie an unerwünschten Stellen. In diesem Fall hilft ein geschützter Bindestrich zwischen Wortteilen: Strg + Umschalt + - verhindert eine Trennung an dieser Stelle.
Absatzabstände und Einzüge
Zwischen Absätzen gibt es zwei konkurrierende Konventionen. Die deutsche Wissenschaftsprosa verwendet klassisch: Einzug der ersten Zeile um etwa 0,5 cm, kein Abstand zwischen Absätzen. Die englischsprachige Wissenschaft verwendet: kein Einzug, aber ein Leerraum von etwa 6 pt zwischen Absätzen. Beide funktionieren, aber nicht kombiniert — wer beide verwendet, bekommt überbreite Absatz-Abgrenzungen, die unruhig wirken.
Für deutsche Bachelorarbeiten empfohlen: Erste-Zeile-Einzug 0,5 cm, kein oder minimaler Absatzabstand. Ausnahme: Der erste Absatz nach einer Überschrift bekommt keinen Einzug — das ist eine typografische Tradition, die Word nicht automatisch umsetzt. Wer streng nach dieser Regel setzt, verwendet zwei Formatvorlagen (»Standard« mit Einzug, »Absatz ohne Einzug« ohne) und weist sie gezielt zu. Für den ersten Überarbeitungsdurchgang reicht die einheitliche Variante.
Häufige Probleme vor der Abgabe
Der letzte Absatz eines Kapitels läuft auf die nächste Seite über. Einzelne hängende Zeilen am Seitenanfang (»Hurenkinder«) oder allein stehende Zeilen am Seitenende (»Schusterjungen«) sind typografisch unerwünscht. Word hat dafür eine eigene Option: »Start → kleiner Pfeil in der Absatz-Gruppe → Registerkarte Zeilen- und Seitenumbruch → Haken bei Absatzkontrolle«. Die Option ist standardmäßig aktiv, bleibt aber bei Import aus Google Docs oder LibreOffice gelegentlich deaktiviert. Einmal global über Strg+A + die Einstellung neu aktivieren löst fast alle Fälle.
Eine Überschrift steht am Seitenende, der zugehörige Absatz darunter auf der neuen Seite. Dieselbe Registerkarte bietet »Nicht vom nächsten Absatz trennen«. Diese Option gehört in die Formatvorlage »Überschrift 1/2/3«, nicht auf einzelne Absätze — Rechtsklick auf Formatvorlage → Ändern → Format → Absatz → Zeilen- und Seitenumbruch.
Seitenumbruch erzeugt eine fast leere Seite. Meist ein versehentlich gesetzter harter Seitenumbruch (per Strg + Enter) oder eine Tabelle mit aktivierter Option »Zusammenhalten«. Mit eingeblendeten Steuerzeichen (Strg + Umschalt + 8) nach der Markierung »Seitenumbruch« suchen.
Typografische Anführungszeichen fehlen. Bei Import aus einfachem Text werden oft gerade Anführungszeichen (») übernommen statt deutscher typografischer (»…«). Die Autokorrektur (»Datei → Optionen → Dokumentprüfung → AutoKorrektur-Optionen → AutoFormat während der Eingabe«) ersetzt gerade gegen typografische Zeichen automatisch. Für bestehende Texte hilft Suchen-und-Ersetzen mit aktivierter Autokorrektur-Option.
Gedankenstrich statt Bindestrich. Ein häufiger Typografie-Fehler: Im Fließtext wird der schmale Bindestrich (-) statt des Gedankenstrichs (–, Halbgeviertstrich) verwendet. Einschübe gehören in Gedankenstriche, nicht in Bindestriche. Word ersetzt bei aktivierter AutoKorrektur einen Bindestrich mit Leerzeichen davor und dahinter automatisch in den Halbgeviertstrich — aber nur beim nächsten Leerzeichen. Wer den Gedankenstrich direkt setzen will: Strg + - (der Minus-Taste im Nummernblock). Der Geviertstrich (—) ist im Deutschen unüblich und findet sich praktisch nur in typografisch anspruchsvollen Büchern oder amerikanischer Setzung.
Zusammenfassung
Typografie einer Bachelorarbeit lebt von Konsistenz, nicht von Besonderheiten. Die etablierten Werte — 2,5/2,0/2,5/2,0 cm Ränder, 1,0 cm Bundsteg, 1,5-facher Zeilenabstand, Times New Roman 12 pt oder Arial 11 pt, Blocksatz mit automatischer Silbentrennung — lassen sich in 10 Minuten einstellen und halten die Arbeit visuell ruhig. Was die Prüfungsordnung explizit anders regelt, geht vor; was sie nicht regelt, folgt den Standards. Wer das einmal in einer Dokumentvorlage speichert (siehe Formatvorlagen in Word), spart sich diese Einstellungen bei jeder folgenden Arbeit.