Seitenzahlen ab Seite 3 in Word einfügen
Abschnittsumbruch, entkoppelte Fußzeile, Neustart bei 1 — die saubere Methode
2026-04-23 · Lesezeit: ca. 10 Minuten
Abstract
Titelblatt und Inhaltsverzeichnis bleiben ohne Seitenzahl, die Einleitung beginnt mit 1 — so verlangen es die meisten deutschen Prüfungsordnungen. Word bietet dafür eine saubere Lösung über Abschnittsumbrüche und entkoppelte Fußzeilen. Diese Anleitung führt Schritt für Schritt durch den Vorgang, benennt die typischen Stolpersteine und zeigt, wie Sie römische Ziffern für das Vorwort setzen.
Warum die Zählung nicht bei Seite 1 beginnt
Titelblatt und Inhaltsverzeichnis tragen in einer wissenschaftlichen Arbeit keine Seitenzahl — oder, seltener, eine römische Ziffer, die nicht in den Fließtext übergeht. Hinter dieser Konvention steht eine Setzregel, die aus dem Buchdruck stammt: Die Zählung beginnt erst dort, wo der inhaltliche Teil beginnt. In aller Regel ist das die Einleitung auf Seite 3.
Wer in Word einfach auf »Einfügen → Seitenzahl« klickt, nummeriert alles mit. Das Titelblatt wird zur Seite 1, das Inhaltsverzeichnis zur Seite 2, die Einleitung zur Seite 3. Formal genügt das den wenigsten Prüfungsordnungen. Die korrekte Lösung führt über einen Mechanismus, den Word für genau diesen Fall bereithält, der in der Standardansicht aber nirgendwo prominent auftaucht: den Abschnittsumbruch.
Ein Abschnittsumbruch teilt ein Dokument in unabhängige Bereiche, denen sich eigene Kopf- und Fußzeilen, eigene Seitenränder und eine eigene Seitenzählung zuweisen lassen. Abschnitt 1 umfasst Titelblatt und Inhaltsverzeichnis und bleibt ohne Seitenzahl; Abschnitt 2 beginnt mit der Einleitung und wird bei 1 neu gezählt.
Voraussetzungen
Die Anleitung bezieht sich auf Word 2016, 2019, 2021 und Microsoft 365 für Windows. Die Menüpfade in Word für Mac und Word Online weichen punktuell ab; auf die Unterschiede gehe ich am Ende ein. Vorausgesetzt wird ein Dokument mit mindestens drei Seiten, auf denen bereits Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und der Beginn der Einleitung stehen. Wer das Inhaltsverzeichnis noch nicht angelegt hat, kann den hier beschriebenen Schritt trotzdem ausführen und später automatisch einsetzen (siehe Automatisches Inhaltsverzeichnis in Word).
Nützlich, aber nicht zwingend: Blenden Sie die Steuerzeichen ein, damit Sie Abschnittsumbrüche, Absatzmarken und Tabulatoren sehen. Das gelingt über den Absatz-Button (¶) in der Registerkarte »Start« oder die Tastenkombination Strg + Umschalt + 8.
Schritt 1: Abschnittsumbruch nach Seite 2 einfügen
Setzen Sie den Cursor ans Ende der zweiten Seite, also hinter das letzte Zeichen des Inhaltsverzeichnisses. Wechseln Sie in das Menü »Layout« — in Word 2013 und älter heißt es »Seitenlayout«. In der Gruppe »Seite einrichten« finden Sie den Button »Umbrüche«. Ein Klick öffnet ein Dropdown mit zwei Rubriken: »Seitenumbrüche« oben, »Abschnittsumbrüche« unten. Entscheidend ist die Option Abschnittsumbruch: Nächste Seite.
Ein normaler Seitenumbruch (Strg + Enter) reicht nicht. Er erzeugt nur eine neue Seite, keinen neuen Abschnitt. Die beiden sehen in der Ansicht ähnlich aus, verhalten sich aber unterschiedlich — und dieser Unterschied entscheidet über die gesamte Seitenzählung. Prüfen Sie bei eingeblendeten Steuerzeichen, ob an der Trennstelle zwischen Seite 2 und Seite 3 die Beschriftung »Abschnittsumbruch (Nächste Seite)« steht. Wenn stattdessen »Seitenumbruch« erscheint, muss der Schritt wiederholt werden.
Schritt 2: Fußzeilen zwischen den Abschnitten entkoppeln
Der häufigste Stolperstein steckt nicht im Einfügen des Umbruchs, sondern in dem, was danach kommt. Word übernimmt Kopf- und Fußzeilen eines neuen Abschnitts standardmäßig aus dem vorhergehenden — die beiden Abschnitte sind verknüpft. Eine Seitenzahl, die Sie im zweiten Abschnitt einfügen, erscheint damit automatisch auch im ersten, inklusive Titelblatt. Die Verknüpfung muss zunächst aufgehoben werden.
Doppelklicken Sie in die Fußzeile auf Seite 3. Word wechselt in den Bearbeitungsmodus und blendet die Registerkarte »Kopf- und Fußzeile« ein. Dort finden Sie in der Gruppe »Navigation« den Button »Mit vorheriger verknüpfen«. Er ist bei frischen Abschnitten aktiv (hellgrauer Hintergrund). Ein einmaliger Klick deaktiviert ihn.
Ein verlässliches Erkennungsmerkmal steht am rechten Rand der Fußzeile selbst: Solange die Abschnitte verknüpft sind, erscheint dort der Hinweis »Wie vorherige«. Nach dem Klick auf den Button verschwindet er. Kopf- und Fußzeilen werden unabhängig voneinander behandelt — wer später keine Kopfzeile in Abschnitt 1 braucht, die Fußzeile aber getrennt steuern will, reicht aus, nur die Fußzeile zu entkoppeln. Die gleiche Prozedur gilt für jeden weiteren Abschnittsumbruch im Dokument.
Schritt 3: Seitenzahl in den zweiten Abschnitt einfügen
Der Cursor steht weiterhin in der Fußzeile auf Seite 3. Wechseln Sie ins Menü »Einfügen« und klicken Sie in der Gruppe »Kopf- und Fußzeile« auf »Seitenzahl«. Das Dropdown bietet vier Grundpositionen: Seitenanfang, Seitenende, Seitenränder, Aktuelle Position. Für wissenschaftliche Arbeiten ist »Seitenende« der Standard, weil das Titelblatt in der Regel bereits einen Eintrag im oberen Seitenrand trägt. Die Ausrichtung (linksbündig, zentriert, rechtsbündig) ist Geschmacks- und Vorgabensache — die Prüfungsordnung hat hier oft das letzte Wort.
Word fügt jetzt eine Seitenzahl ein. Sie zeigt allerdings zunächst nicht 1, sondern 3, weil Word das Dokument fortlaufend zählt und die dritte physische Seite auch als Seite 3 versteht. Die Korrektur folgt im nächsten Schritt. Wichtiger ist an dieser Stelle die Kontrolle, ob die Zahl wirklich nur in Abschnitt 2 erscheint. Scrollen Sie zu Seite 1: Ist dort keine Seitenzahl sichtbar, war die Entkopplung erfolgreich. Steht dort unerwünscht eine Zahl, ist die Verknüpfung entweder nicht getrennt oder an der falschen Stelle gelöst worden. In diesem Fall die Seitenzahl auf Seite 1 markieren, mit Entf löschen und Schritt 2 prüfen.
Schritt 4: Zählung bei 1 beginnen lassen
Öffnen Sie bei weiterhin aktiver Fußzeile erneut das Dropdown »Einfügen → Seitenzahl«, jetzt aber den letzten Eintrag »Seitenzahlen formatieren«. Word zeigt einen kleinen Dialog mit dem Titel »Seitenzahlenformat«. Unten gibt es den Bereich »Seitennummerierung« mit zwei Optionen: »Fortsetzen vom vorherigen Abschnitt« und »Beginnen bei«. Wählen Sie die zweite Option und tragen Sie 1 ein.
Nach der Bestätigung zeigt Word auf der dritten physischen Seite die Seitenzahl 1, gefolgt von 2, 3, 4 auf den nachfolgenden Seiten. Das entspricht den Vorgaben in den meisten Prüfungsordnungen. Der Dialog enthält mit dem Dropdown »Zahlenformat« außerdem die Möglichkeit, auf römische Ziffern zu wechseln — nützlich für den Sonderfall, dass das Inhaltsverzeichnis mit i, ii, iii gezählt werden soll, während der Hauptteil bei 1 in arabischen Ziffern beginnt. Dafür muss der erste Abschnitt eine eigene Seitenzahl bekommen; Details dazu im Abschnitt »Alternative« unten.
Schritt 5: Ergebnis kontrollieren
Schließen Sie den Bearbeitungsmodus mit einem Doppelklick in den Textbereich oder der Esc-Taste. Drei Kontrollen sichern das Ergebnis:
Auf Seite 1 darf keine Seitenzahl stehen. Auf Seite 2 darf keine Seitenzahl stehen — es sei denn, Sie haben bewusst eine römische Ziffer gesetzt. Auf Seite 3 muss die Zahl 1 erscheinen, auf den folgenden Seiten 2, 3, 4 und so weiter.
Die Druckvorschau — erreichbar über »Datei → Drucken« oder Strg + P — eignet sich für diese Kontrolle besser als die normale Layoutansicht, weil Word die Fußzeilen-Dekoration dort realitätsnah rendert. Fällt eine Abweichung auf, führt der Weg zurück zu Schritt 2: In fast allen Fällen liegt es an einer nicht oder doppelt entkoppelten Kopf- oder Fußzeile.
Häufige Probleme und wie Sie sie lösen
Die Seitenzahl 1 erscheint auch auf Seite 1. Die Verknüpfung zwischen den Abschnitten ist nicht aufgehoben oder wurde in der falschen Richtung gelöst. Klicken Sie erneut in die Fußzeile auf Seite 3 und prüfen Sie, ob »Mit vorheriger verknüpfen« inaktiv ist. Löschen Sie anschließend die Seitenzahl auf Seite 1 von Hand.
Nach dem Einfügen steht dort Seite 3 statt Seite 1. Der Schritt »Beginnen bei: 1« fehlt. Öffnen Sie »Einfügen → Seitenzahl → Seitenzahlen formatieren« und setzen Sie den Startwert.
Kopfzeile wird korrekt getrennt, Fußzeile nicht (oder umgekehrt). Kopf- und Fußzeile haben getrennte Verknüpfungsstatus. Doppelklicken Sie in die jeweils andere Zeile und deaktivieren Sie den Button »Mit vorheriger verknüpfen« auch dort.
Die Seitenzahlen zählen im Hauptteil in 2er-Schritten weiter. Das tritt auf, wenn irgendwo im Hauptteil ein zweiter Abschnittsumbruch mit eigener Zählung liegt und die Verknüpfung dort ebenfalls getrennt wurde. Gehen Sie mit eingeblendeten Steuerzeichen das Dokument durch und suchen Sie nach der Beschriftung »Abschnittsumbruch«. Jeder zusätzliche Umbruch benötigt im Dialog »Seitenzahlen formatieren« die Einstellung »Fortsetzen vom vorherigen Abschnitt«.
Seitenzahl verschwindet beim Speichern als PDF. Das ist in der Regel kein Word-Problem, sondern ein Druckbereich-Problem: Prüfen Sie unter »Layout → Seite einrichten → Layout« (oder über den kleinen Pfeil unten rechts in der Gruppe) die Fußzeilen-Abstände. Werte unter 1,0 cm geraten in den nicht druckbaren Bereich vieler PDF-Exporte.
Alternative: Römische Ziffern für Verzeichnisse
Manche Prüfungsordnungen fordern, dass Inhaltsverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis und Abbildungsverzeichnis römische Seitenzahlen tragen (I, II, III, IV), während der Fließtext bei 1 beginnt. Die Umsetzung folgt derselben Logik wie oben, nur mit drei Abschnitten statt zwei: Abschnitt 1 für das Titelblatt ohne Seitenzahl, Abschnitt 2 für die Verzeichnisse mit römischer Zählung (»Beginnen bei I«), Abschnitt 3 für den Hauptteil mit arabischer Zählung (»Beginnen bei 1«).
Zwischen Titelblatt und Verzeichnissen sowie zwischen Verzeichnissen und Einleitung liegt jeweils ein Abschnittsumbruch »Nächste Seite«. In jedem neuen Abschnitt werden Kopf- und Fußzeile entkoppelt. Im Dialog »Seitenzahlen formatieren« stellt man das Zahlenformat (römisch/arabisch) und den Startwert getrennt pro Abschnitt ein. Der Aufwand ist nicht höher als der hier beschriebene Standard — nur die Anzahl der Abschnitte wächst.
Unterschiede zwischen Word-Versionen
Die Menüstruktur ist von Word 2016 bis Microsoft 365 weitgehend unverändert; die beschriebenen Pfade funktionieren in allen aktuellen Windows-Versionen. In Word 2013 und älter heißt der Reiter »Seitenlayout« statt »Layout«. Die Optik des Menübands unterscheidet sich, der Mechanismus bleibt identisch.
In Word für macOS befindet sich »Umbrüche« ebenfalls unter »Layout«. Der Dialog »Seitenzahlen formatieren« heißt dort »Seitenzahlen formatieren …« und liegt unter »Einfügen → Seitenzahl → Seitenzahlen formatieren«, ist also identisch positioniert. In Word Online fehlt die Option, den Startwert zu ändern; dort lässt sich der Effekt nur über das Dokument in der Desktop-App erreichen. Wer in der Cloud arbeitet, öffnet die Datei über »In Desktop-App öffnen«, führt die Einrichtung dort durch und speichert wieder zurück.
In LibreOffice Writer ist das Vorgehen grundsätzlich anders: Dort werden Seitenvorlagen statt Abschnittsumbrüche verwendet. Wer sein Manuskript aus LibreOffice nach Word konvertiert, findet die Abschnittsumbrüche nach dem Speichern oft als einfache Seitenumbrüche wieder — und muss sie nachträglich ersetzen.
Alternative Tools: Wann sich LaTeX lohnt
Die hier beschriebene Methode funktioniert zuverlässig, verlangt aber fünf Schritte für einen Effekt, der in anderen Textsatzsystemen automatisch geschieht. Wer eine längere Arbeit schreibt — Masterarbeit ab etwa 80 Seiten, Dissertation ohnehin — und die typografische Kontrolle schätzt, stößt mit Word regelmäßig an Grenzen, von denen die Seitenzahl nur die harmloseste ist. LaTeX zählt römisch/arabisch ab Werk getrennt, erzwingt Abschnittsstrukturen durch die Dokumentklasse und sorgt für gleichmäßigere Umbrüche. Für Bachelorarbeiten und die meisten Masterarbeiten überwiegt trotzdem der praktische Vorteil, dass Betreuer und Korrektoren Word-Dateien lesen können und kleinere Korrekturen unkompliziert machbar sind.
Zusammenfassung
Seitenzahlen ab Seite 3 beruhen in Word auf zwei Bausteinen: dem Abschnittsumbruch »Nächste Seite« am Ende von Seite 2 und der getrennten Fußzeile in Abschnitt 2. Erst die Entkopplung erlaubt es, Seitenzahlen einzufügen, ohne dass sie auch auf Titelblatt und Inhaltsverzeichnis erscheinen. Der Startwert wird über »Seitenzahlen formatieren« auf 1 gesetzt. Fehler lassen sich zuverlässig in der Druckvorschau diagnostizieren, die die Fußzeilen realistischer rendert als die Layoutansicht. Für zusätzliche Verzeichnisse mit römischer Zählung genügt ein weiterer Abschnittsumbruch und dieselbe Prozedur.
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